Abi '91 - und der Golfkrieg

Manch einer hat bereits oder wird den sogenannten Golfkrieg schnell vergessen. Im Moment (16.4.91) spricht zwar jeder über das Schicksal der Kurden und Schiiten, doch daß davor der Golfkrieg "tobte" und dieser der Auslöser der nun verheerenden, unvorhersehbaren (?) Folgen ist, vergessen -bald- viele.

Mir als Abiturientin '91 wird dieser Krieg jedoch stets in Erinnerung bleiben, denn...

...ich als Chemie-LK-lerin mußte genau am 17.Januar 1991 um 8.00 Uhr meine Chemieprüfung schreiben - wie auch der Physik-LK. Manch einer wird sich jetzt fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Eigentlich gar nichts, oder doch?

Für mich persönlich und auch für ein paar meiner "Kollegen" hatte der Zusammenfall beider Ereignisse eine besondere Wirkung. Nachts und morgens saß man vor dem Fernseher, las Zeitung, hörte Radio...und stellte 7.30 Uhr mit mulmigem Gefühl fest, daß man heute den Kopf wo ganz anders haben sollte - beim Abitur.

Doch konnte man diesen Kriegsbegginn so einfach "beiseite legen" und gar nicht daran denken?

Vielen -nicht allen- ist dies nicht einfach gefallen. Mir persönlich wurde bewußt wie 'unbedeutend' das Abitur in solch einem Falle ist.

Herr Weis eröffnete unsere Prüfung meiner Ansicht nach sehr treffend mit den Worten:

"Komisch, daß gerade heute die ABC-Fächer geschrieben werden. Ich weiß, daß es unheimlich schwer ist, in dieser ernsten Situation das Abitur zu schreiben, doch versucht euch wenigstens für die paar Stunden zu konzentrieren."

Ich versuchte es im wahrsten Sinne des Wortes.

Mittlerweile ist im Weltgeschehen wieder die "Normalität" eingetreten und ich denke auch wieder anders über die Wichtigkeit und Bedeutung meines Abiturs, vor allem wenn ich die Zulassungsbeschränkungen für die Studiengänge betrachte. Dennoch glaube ich, daß dieser Zu(sammen)fall ein vielen Abiturient(inn)en stets in Erninnerung bleibender Tag war.

Nanja Strecker


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