Achtung Satire !

Konrad, der Unerstochene !!!

Nur für Verrückte !

Vor langer Zeit, als die Erde noch jung war, trabte Konrad, der Unerstochene, unser unerschrockener Held durch die tiefen Wälder des Urkontinents. Von den Stammesältesten ward ihm aufgetragen, das Reifezeugnis zu finden - er war der Auserwählte. Nach alten Überlieferungen ward jenes auf der Burg Robertsfels aufbewahrt und steng bewacht. Beim Überqueren der Ebene des Friedens ging es alles andere als friedlich zu, allerlei langhaariges Gesindel wollte ihn mit Produkten der Alchemie in ihren Bann ziehen, was nicht gelang, denn Konrad war informiert (berauschende Alchemie hilft nie!). So gelangte Konrad, der Unerstochene, vors Hauptportal der Burg. Auf gutes Zureden hin gewährte ihm Frei-Schütz, der Hüter der Schlüssel und der Herr der Putzkolonne, den Durchgang durch die äußerste Pforte, ohne die immense Gefahr richtig einzuschätzen, die von diesem Schergen ausging. Doch unglücklicherweise schlug die Sonnenuhr gerade halb zehn, und der Hofmoralist Glahaas verweigerte ihm weiteren Zutritt und wies darauf hin, welch ein Frevel wider die ritterlichen Ordnung dies war, zu dieser Uhrzeit die oberen Flure beschreiten zu wollen.

Doch Konrad, der Unerstochene, ließ sich durch diese Scheinmoral nicht beeinflussen und machte sich unerschrocken auf den Weg, zu finden den höchsten Punkt der Burg.

Es war sein Begehr zu erkunden, ob die Gestirne günstig stehen für sein Unternehmen. Dort angekommen, begrüßte ihn der Chefastrologe Galileo Groß mit einem breiten Grinsen. Jedoch verweigerte Galileo jegliche Auskunft über die Gestirne, erst als Konrad, der Unerstochene, unerschrocken sein rostiges Schwert zog, gab Galileo Klein bei. Er enthüllte ihm, daß Mars im sechsten Haus steht, doch das brachte unseren Helden nicht weiter. Weit fruchtbarer ward der Hinweis, daß sein Schwert nichts tauge und daß der Alchemist Dr. Lukkas, der nur einige Türen weiter hauste, sich auf Metallveredelung im Sinne der progressiven Elektrolyse spezialisiert hatte.

Die braven, rosigen Bäckchen des Alchemisten bewegten Konrad, den Unerstochenen, dazu, unerschrocken sein Schwert zur Reparatur zu geben. Einige Augenblicke später kam der Doktor mit einer Verordnung aus dem Burggesetz und ohne Schwert zurück; dies hatte er vollständig aufgelöst, laut Artikel 6.6.6 des Burggesetzes war dies seine Pflicht. Konrad, der Unerstochene, ließ sich wutentbrannt auf ein Handgemenge mit dem Alchemisten ein. Hinzu eilte auch Burgfräulein Essol, welche unglücklicherweise von einer Flasche konzentrierte Schwefelsäure getroffen wurde, die bei dem Handgemenge aus einem Regal fiel. Damit ward sie leider aus unserer Geschichte ausgeschieden. Doch die aggressive Säure ätzte überdies ein Loch in den Sandsteinfußboden, durch welches Konrad, der Unerstochene, samt einiger Bücher, immer noch wutentbrannt direkt in die Räume fiel, in denen die Newtonsche Lehre gepredigt wurde. Bei der Landung verlor er das Bewußtsein, da er auf einen harten Gegenstand aufprallte. Das letzte, was er lesen konnte, war ein Schild mit der Inschrift "Vorsicht! Justierter Versuch!"

Als er aus seinem Koma erwachte, ward er von einem cholerisch kreischenden Mann umgeben. Offenbar hatte der mit "Justierter Versuch" bezeichnete Gegenstand okkulte Bedeutung für den Herrn, der da Lederstiefel genannt wurde. Jedenfalls meinte Lederstiefel, daß ihm noch nie einer der Schergen so gekommen sei und daß er ihm alle Kreuzchen streichen würde. Um weitere Vorfälle dieser Art zu vermeiden gab Heiner, so hieß Lederstiefel mit Vornamen, Konrad, dem Unerstochenen, ein Buch über die Newtonsche Lehre des freien Falls. Noch leicht benommen vom Aufprall taumelte Konrad, der Unerstochene, leicht belämmert den 2. Flur entlang.

Doch alsbald begegnete ihm eine rothaarige Gestalt, die da hieß Kuno Radler. Und eben dieser Kuno war es, der Konrad in ein Zimmer zog und allerlei Historisches nachfragte. Konrad, der Unerstochene, immer noch leicht belämmert, war dies alsbald zu dumm, und er beantwortete alle Fragen kategorisch mit einem alten Sprichwort, welches er vom Stammesältesten gelernt hatte: "Tapferle, packa mers, Leute!" Obgleich dieses Sprichwort für Konrad keinen Sinn hatte, schien Kuno tief gerührt ob der inhaltlichen Intensität dieser Aussage. Weit weniger begeistert war Kuno über Konrads Fähigkeit, die Dinge auszudrücken, worauf er ihm empfahl, dieses noch eingehend zu üben, wolle das er Reifezeugnis erlangen.

Konrad, der Unerstochene, ward von einem unbändigen Hungergefühl überkommen, und er ließ sich von seinem Geruchsinn leiten, der ihm da mitteilte, ein Bärenschlächter sei im Umkreis. Eben diesen Bärenschlächter hatte auch der Stammesälteste erwähnt und Konrad empfohlen, sich einige Bärenweck mit Salat einzuverleiben, um die noch folgenden Etappen nachmittags besser bewältigen zu können, was Konrad umgehend tat. Ein Döschen Bier half beim Hinunterspülen der Speise. Die bisher erhaltenen Lehrbücher benutzte er als Serviette, was zwangsläufig dazu führte, daß er sie stellenweise überflog.

Nach Beendigung des Mahles betrat er die Burg wieder, jetzt aber ohne Schwierigkeiten. Im Parterre begegnete ihm General Hölderlin, der Chef des Söldnerheeres (in späteren Epochen auch Sport LK genannt), der nebenher für Pflanz und Tier auf dem Hof verantwortlich war. Trotz der bärtigen Urgestalt machte dieser Angehörige des Hofstaats einen sympathischen Eindruck auf Konrad, den Unerstochenen, indem er fragte, ob Konrad heute schon genug Butterbrot zu sich genommen habe, damit er groß und stark werde.

Konrad antwortete: "Im Butterbrot hat's viel fettigen Dreck - drum laß ich gleich den Butter weg - und kauf mir einen Bärenweck. - Die Bärenweck viele Nährstoffe enthalten - welche Enzyme zu kleinen Bausteinen spalten - die sich lange im Muskel halten."

Hölderlin ward begeistert ob der umfassenden mikrobiologischen Fachkenntnis, die der Scherge an den Tag legte, und schickte ihn zum Bildhauer und Hofportraitisten Alban Lindenberg, damit er dort seine Kenntnisse vervollständigen könne.

Der zottelige Alban war aufgrund seiner alternativen Ideen oft beinahe in Mißgunst des Burgherren geraten, so z.B. war der Herrscher über den Versuch Albans, alle Pferde des Hofes bunt anzumalen, nicht gerade erpicht. Doch Albans Genialität und Können waren über die Burggrenzen hinweg im Land bekannt. Beim Eintreten ins Atelier tapste Konrad, der Unerstochene, unverhofft in einige Farbtöpfe und fiel in eine Palette. Beschämt versuchte er seine Hände an einem weißen Stück Leinwand abzuwischen und legte das Tuch hinterher wieder auf Albans Arbeitsplatz. Lindenberg, der aus seinem Hinterzimmer herausschlurfte, erblickte die Leinwand, und ganz zu Konrads Überraschung, war der Maestro von der Perfektion der Abstraktion des Kunstwerkes so Überwältigt, daß er kein Wort herausbrachte und von dannen eilte. Lindenberg verschwand in einem Raum, für den der Zutritt für Schergen strengstens untersagt war, was Konrad jedoch nicht weiters störte, denn er verspürte sowieso keine Lust, sich in diese Gruft des Grauens hineinzubegeben, in der sich alle Angehörigen des Hofstaates bis auf den Herrscher befanden. Und so begnügte sich Konrad, der Unerstochene, unerschrocken an der Türe zu lauschen. Der wirre, sinnlose Kaffeetratsch, der diesem Zimmer entfleuchte, erschien ihm nicht ganz geheuer, und er beschloß, den Herrscher persönlich zu sehen.

Sagenhaftes war über den Freiherrn von Anglers-Frihiitz im Umlauf, denn erst vor wenigen Monden hatte er das Erbe des Freiherrn Hans Schinken angetreten, nachdem Angler-Frihiitzens Burg flußaufwärts den Vandalen zum Opfer fiel. Vor dem Portal des Herrschers angelangt, erblickte Konrad, der Unerstochene, das Schild "Bitte warten!" Nach kurzer Pause öffnete sich die Türe vollautomatisch, und Konrad wurde hereingebeten. Auf die Frage des Freiherrn: "Wie heißt Du?" antwortete Konrad: "Konrad, der Unerstochene!" Dann fragte der Burgherr: "Von wem stammst Du ab?" worauf Konrad die beiden magischen Namen einfielen, die ihm der Stammesälteste eines nachts ins Ohr geflüstert hatte: "Maria Schuhulz-Vektor und Erhard Eier-Vorstopper".

Ab diesem Zeitpunkt an war der Freiherr Konrad freundlich gesonnen und fragte ihn nach seinem Begehr. "Ich bin geschickt, das Reifezeugnis zu holen!". Freiherr von Anglers-Frihiitz öffnete die Bronzetüre seines Tresors und händigte ihm ein Reifezeugnis aus. Konrad las auf dem Reifezeugnis:

Durchschnitt 3,8 - somit unnütz, da Sie auf keiner Hochburg Ihre Studien beginnen können!

Konrad, der Unerschrockene, zog unbefriedigt von dannen.

(Sämtliche Ähnlichkeiten mit real existenten Personen wären rein zufällig und keineswegs gewollt !!!)

ENDE

Von Axel Jasenek
und Martin Kaufmann


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