Latein - ein Leistungskurs mit Zukunft?

Vor genau zwei Jahren war ich noch eine begeisterte Lateinschülerin und so entschied ich mich leicht für den Leistungskurs Latein.

Zu Beginn der 12. Klasse erfuhr ich, daß der Latein-LK am benachbarten Mönchseegymnasium stattfand, da nur drei Schüler an unserer Schule diesen Leistungskurs belegen wollten. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen machten wir uns auf den Weg, begleitet von einer gewissen Herausforderung, sich an Schülern einer anderen Schule unmittelbar messen zu können. Doch ließ diese anfangs vorhandene Motivation im Laufe der zwölften Klasse immer mehr nach, bis sie mit dem Abitur den Nullpunkt erreichte.

Woran lag es? Am Lehrer? Das wäre sicherlich eine zu einfache Antwort, obwohl man den Unterricht natürlich auch interessanter gestalten hätte können. Für wichtiger halte ich dagegen die Tatsache, daß ich am Ende der 12. Klasse mitansehen mußte, wie die Latein-Grundkursschüler das Fach abwählten und trotzdem das große Latinum in der Tasche hatten. Stunde für Stunde, Woche für Woche sollte für mich ein weiteres Jahr Latein weitergehen! Entweder Übersetzen oder interpretieren, gestern Horaz, heute Cicero, morgen vielleicht Seneca - eine grausame Vorstellung.

Als ich mir dann langsam Gedanken um meine Studienaussichten machte, stellte ich fest, daß man Latein in der Ausführlichkeit eines LKs kaum bei einem Studiengang brauchte (höchstens vielleicht bei einem Archäologie-, Griechisch- oder Latein-Studium).

Dagegen ist ein Französich- oder Englisch-Lk zum Beispiel bei der Bewerbung um einen Studienplatz bei europäischen Studiengängen oder bei einem Studiengang "Übersetzen und Dolmetschen" sehr nützlich, da Aufnahmeprüfungen bestanden werden müssen, wenn er nicht sogar häufig vorausgesetzt wird.

Latein hilft zwar, andere Sprachen (Spanisch, Italienisch auch Französisch) leichter zu lernen, doch kann ich den Leistungskurs nur demjenigen empfehlen, der ein außergewöhnlich großes Interesse an römischer Geschichte, Philosophie oder an der Lebensart der Römer hat. Für mich war es jedenfalls eine falsche Entscheidung.

Heute weiß ich, daß ich im späteren Berufsleben mit Französisch oder Englisch viel weiter komme, egal für welchen Beruf ich mich entscheide, denn Fremdsprachenkenntnisse sind in unserer Zeit schon fast selbstverständlich geworden. Leider kam mir diese Erkenntnis zwei Jahre zu spät.

Zum Schluß noch das Ergebnis einer kleinen Umfrage bei meinen (LK)-Mitschülern, ob sie noch einmal Latein wählen würden:

8 Schüler lehnten Latein als LK ab mit der Begründung, es sei "zu langweilig" und "es bringe ihnen nichts".

6 Schüler würden es nochmals wählen, 2 begründeten es auf ihre gute Note, 2 hatten keine Alternative und nur zwei Leuten machte es Spaß. Ein trauriges Resultat!

Heike Hellinger


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