Berlin - Studienfahrt des Deutsch LKs

Voller Spannung stiegen wir am Abend des 17. Juni 1990 in den Zug nach Berlin. In unseren Köpfen spukten die zahlreichen Schilderungen und Berichte unseres Begleitlehrers Herrn Wagner über die Millionenstadt: Von der Anekdote der räuberischen Halbstarken in Berlins U-Bahnen bis zu den fantastischen Aufführungen in verschiedenen Theatern. Überhaupt, unser Herr Wagner hatte als alter berlin-Insider ein Mega-Programm für seine Schüler zusammengestellt, daß wir um unsere Zeit fürchten mußten. Wer konnte um diese Zeit schon ahnen, daß alles ganz anders kommen würde? Die Fahrt jedenfalls begann vielversprechend: Meggi hielt mit seinen Witzen viele bis in die Morgenstunden wach, so daß der Marsch mit unseren Koffern bis zu unserem Jugendgästehaus in Berlin-Schöneberg zum Martyrium wurde. Zum Glück hatte Herr Wagner seine Frau mit dabei, die sich nicht nur als lieb, sondern auch als tragkräftig erwies: während er munter mit seinem (ihrem) Rollenkoffer vornweg marschierte, schloß sie sich der "schleppenden" Mehrheit an. Mit unserer Unterkunft konnten wir sehr zufrieden sein. Nicht nur die Zimmer und das Essen, sondern auch die nächtlichen Einlaßzeiten waren positiv. Bald stellte sich heraus, daß das "Mega"-Programm, das gemeinsam absolviert wurde, lediglich aus dem Besuch der Nationalgalerie, einer Kreuzbergbesichtigung, den Pflichtgesprächen mit Vertretern der Stadt Berlin und einer Stadtrundfahrt (die uns allen gut gefallen hat, da sie von einem jungen Studenten geführt wurde, der uns unter anderem die Stadtgeschichte nahebrachte - Anmerkung: Schinkel!) bestand. Den "Kleinen Horrorladen", der in den Berliner Kammerspielen aufgeführt wurde, besuchte der Deutsch-LK zum Beispiel bis auf eine Person geschlossen, jedoch ohne Wagner'sche Begleitung, was allgemein als ziemlich entäuschend aufgefaßt wurde. Dafür gefiel uns, daß Frau Wagner sich beim Essen nach den Aktivitäten der Schüler ihres Mannes erkundigte. Denn unsere Aktivitäten waren gewaltig: Neben den verschiedensten Theaterbesuchen (von Oper über Ballett bis Tucholsky) entdeckten wir die Berliner Kneipen, Cafés und Discos (z.B. Schwarzes Café, Rock it, Maître usw.). Diese Nachtaktivitäten verdanken wir der Tatsache, daß Herr Wagner uns den Hausschlüssel anvertraute und in Bezug auf das Nachhausekommen sämtliche Augen zudrückte - großes Lob und nochmals viel Dank!!!

Fazit: Die Studienfahrt hat uns jedenfalls gefallen!

Christine Düwert
Naomi Gerlinger


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