Italia '90 - auch wir waren dabei

Daß Rom eine sehr alte Stadt ist, die viele Bauwerke der letzten Jahrtausende aufweist und von vielen Künstlern der vergangenen Jahrhunderte zu Wohn- und Wirkstätte auserkoren wurde, war uns in zahllosen Latein- und Geschichtsstunden eingehämmert worden; doch zu der Erkenntnis, daß es mindestens ebensosehr warm, laut und aufregend ist, sollte unsere Reisegruppe - bestehend aus dreißig Schülern und sechs Aufsichtspersonen - selber gelangen. Zu diesem Zweck machten wir uns im Juni letzten Jahres auf den langen beschwerlichen Weg nach Rom, wo wir am 17.6.90 nach sechzehnstündiger Fahrt den Zug verließen, um das Gepäck vom Termini zu unserem Domizil zu schleppen. Zugegeben, der Anblick der abbröckelnden Fassade und der klapprigen Fensterläden war nicht gerade berauschend, doch nach genauerer Untersuchung von Bädern, Schlafzimmern und Aufenthaltsraum konnten wir mit der "Pensione Kennedy" durchaus zufrieden sein (die befürchteten Wanzen und Kakerlaken fand niemand, dafür war, zum Schrecken unserer Aufsichtspersonen, im 1.Stock des Hauses ein recht zwielichtiges Etablissement untergebracht). Noch am selben Tag begannen wir mit der ersten der unzähligen Besichtigungen, die uns von nun an bevorstanden und an historische Stätten wie das Forum Romanum, die Engelsburg, das Pantheon, den Petersdom u.v.a. führten. Sie alle waren gekennzeichnet von Herrn Schmidts interessanten und zumeist kurzweiligen Informationen, die nie den Eindruck des 'schulmeisterlichen' hinterließen. Hierfür sei ihm auf diesem Wege unser herzlichstes Dankeschön gesagt.

Obwohl wir alle die eindringlichen Warnungen vor Dieben, fliegenden Händlern, Pappkindern u.ä. beherzigten, konnten verschiedene Zwischenfälle nicht verhindert werden, da sie an den unerwartetsten Stellen lauerten. So kam gleich am ersten Tag einer der Schüler mit der Polizei in Konflikt, da er es gewagt hatte, einen Gitarrenspieler am Colosseum zu fotografieren. Dieses Verbrechen wurde von den zu Rate gezogenen Carabinieri mit Entzug des Filmes bestraft. Ein anderes Mal wurde zwei Schülerinnen nächtens bei eigener Anwesenheit im Zimmer bestohlen. Ansonsten lief alles weitgehend `glatt`, und auch die Fußball-WM, die zur selben Zeit in Rom tobte, beeinträchtigte unseren Aufenthalt nicht, sondern sorgte höchstens für noch bessere Laune und Stimmung. Insgesamt war es wohl für die meisten eine der besten und interessantesten Wochen in ihrer ca. 13-jährigen Schülerkarriere.

Nicole Gockenbach


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