Exkursion nach drüben
(14.6.-24.6.90)

1.Tag: Abfahrt um 4 Uhr: jeder mit einer Palette westdeutschem Dosenbier bepackt. Sofort mit Biertrinken begonnen. Dieter, unser hypercooler Busfahrer besucht seine Mutter, wobei er rückwärts eine große Steigung bewältigt, die zudem noch sumäßig eng ist und ein Trabi entgegenkommt: "Da paßt ja ein Panzer mit Hänger durch".

Damit waren wir von seinen Fahrkünsten überzeugt. Unser erster Eindruck von der DDR: Es stinkt, alles ist grau, es regnet und die Flüsse schäumen. Doch dies war alles harmlos, denn dann kam Tönchen, unsere Reisebegleiterin für sieben Tage (Tönchen ist eine riesengroße Untertreibung). Über Eisenach gings nach Weimar, wo die unverfrorenen Ossis, wenn überhaupt, im Verhältnis 1:1 tauschen wollten. Überall riesige Warteschlangen, zum Mittagessen gabs kalte Würste. Berni bekam seine erste Krise, als Willi, Storchel und Alex zu spät zum Treffpunkt kamen und wir dadurch den Film über Buchenwald verpaßten. Das KZ Buchenwald hinterließ vor allem bei Axi einen schlechten Eindruck, da er sich den Fuß verknacksta und das KZ wutschnaubend verließ. Dann fuhren wir nach W I N D I S C H L E U B A. Das Essen miserabel, dafür hatten wir aber die "schönste Tapete von ganz Europa" (Berni) in unserem Zimmer. Am Abend wurde Kameruns Sieg über Rumänien mit einem Megafescht gefeiert (zuerst auf dem Pavillon bzw. in der einzigen Kneipe der Weltstadt Windischleuba, dann mit Musik hinter der Burg). Dort wurden uns von Karlsruher Hauptschülern zwei Paletten Bier geklaut.

2.Tag: Nachwirkungen des Biers vom Vortag: In Hannes Koffer war mehr drin als vorher (Ko... Volli). Fahrt nach Leipzig. Am Völkerschlachtdenkmal gabs etliche Wendeltreppen und Postkarten von 1960 für 5 Ostpfennige. Wieder schlechte Würste und Wasserbier. Besuch der Ruine Zentralstadion. Mittagessen in einer HO-Gaststätte (Uäääääh!). Dann Kaffeetrinken; Kaffee zwar billig, aber trotzdem schlechtes Preisleistungsverhältnis. Jedoch gute, billige Bücher und Petroleumlampe, allerdings gibt es in der DDR kein Petroleum. Dieters Diesel tats auch für die Lampe. Abends Suppenkochen mit Axis Gaskocher (Axi sei Dank) und Shotguns auf dem Pavillon. Danach Megafescht vor der Burg. Nächtliches Duschen bei warmem Wasser (es geschehen halt noch Wunder). Die Gartenstühle machten das Duschen außerordentlich bequem. Willi verbringt die halbe Nacht auf dem Klo.

3.Tag: Jeder hat einen Kater, trotzdem um 7 Uhr aufstehen. Fahrt nach Dresden: gute Würste (wieder ein Wunder). Auf das Kulturprogramm wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen. Rückfahrt über Schloss Pillnitz und das Elbsandsteingebirge nach Windischen. Dort Riesen-Fescht: Westbier für 2 Mark, Pfand für Krug 8 Mark. Auch in Windischen trifft man Leute, die man bereits kennt (war das ein Zufall?). Dem Holzi wurd' sein ßierkrug geklaut, dafür nimmt er eine volkseigene Bierbank mit. Tali gräbt Ossi-Frauen an. Willi schläft zwischen zwei Sesseln - der unvergesslichste Tag der Exkursion.

4.Tag: Schon wieder einen Kater. Alex übergibt sich im Spielkartenmuseum in Altenburg in eine durchsichtige Plastiktüte. (Alex: "Schau mal, ich hab gekotzt") Und Holzi wirds im Bus schlecht. Dieter erzählt vom "LFG". Dieter zu Volle, der eine von unseren zwei Frauen angegraben hat: "Die Zunge im Ohr, der Finger im Wasserloch." Naumburger Dom: idealer Schlafplatz. Rudelsburg: gutes Bier (schon wieder ein Wunder), Berni singt und ist bester Laune. Abends gehts diesmal nicht so wild zu.

5.Tag: Weiterfahrt nach Potsdam. Auf der Autobahn wegen Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt worden. Sanssouci: riesige Filzpantoffeln und Berni mißachtet das Filmverbot und filmt obszöne Gemälde. Lehnitz: Schöne Bungalows aber kaltes Wasser. Irrfahrt nach Westberlin oder gemütlicher Abend vor der Hütte.

6.Tag: Lausiges Frühstück. Fahrt nach Ostberlin: guter Stadtbilderklärer. Besichtigung von Gegensätzen: total heruntergekommener Brenzlauer Berg und die schönste Straße von ganz Ostberlin. Pergamonmuseum, gutes Bier im Palast der Republik oder anderswo. Abends Theater: "Der Hauptmann von Köpenick". Berni bezeichnet uns als "siechende Leichen" und sagt "der wahre Säufer zeigt sich halt erst am nächsten morgen". Jörgli wird in Lehnitz von Wildschweinen in panische Angst versetzt. Abends wird Sangria zu Glühwein gekocht.

7.Tag: Willi, Alex und Storchel verpasssn die Abfahrt nach Frankfurt/Oder. Trotzdem kommen wir zu spät in Frankfurt an, Besuch der EOS. Im Rathaus wird uns von Herrn Spickenagel, dem ehemaligen Nationaltorwart, das Stadtbild erklärt. Gutes Essen im Ratskeller. Dort treffen Willi, Alex und Storchel ein, die uns mit S-Bahn, Zug und Taxi nach Frankfurt/Oder verfolgt haben. Drei Stunden Heinrich von Kleist Museum sind sogar für Berni zuviel. Kaffeetrinken mit den Mädchen aus der EOS (praktische Partnerschaft). Berni und Dieter kaufen sich topmoderne Cowboystiefel. Abends: Grillparty und Entertainment durch die Singergruppe. Abschluß im Park bei Bier, Mädchen und Gesang. Berni hat unser gutes Verhalten gelobt.

8.Tag: Fahrt nach Sachsenhausen: Ernst Thälmann (wenn ihr wissen wollt, was es damit auf sich hat, sprecht den Berni darauf an). Fahrt nach Westberlin, wo sich die Gruppe auftrennt, die einen wohnen in Tegel, die anderen direkt in der Innenstadt. Abends Besuch einiger Kneipen und Discos.

9.Tag: Stadtrundfahrt: Kreuzberg voll versifft. Holzi, Axi und Groß verzögern nach dem Mittagessen die Abfahrt weil ihr Unterhaltungsprogramm zu lang war. Besichtigung des Reichtags, wo man uns unverschämterweise unseren Kaffee vorenthalten wollte. Studentenhotel in Schöneberg.

10.Tag: Museum für den Widerstand im Dritten Reich. Mittags Stadtbummel; Abends Besuch einer Super-Kneipe in Schöneberg, zu der Oli Aichert eine Abkürzung kannte und wir statt 5 min. 50 min. brauchten. Letztes Geld versoffen und Tagesabschluss vor dem Schöneberger Rathaus. Rückkehr der letzten Zecher gegen sechs Uhr morgens.

11.Tag: Heimfahrt auf schöner Autobahn und Ankunft in Heilbronn um 16 Uhr.

Fazit: Eine gelungene Exkursion, die nicht zur FARCE wurde. Damit die Eltern beruhigt sind: Fs war alles nicht so schlimm, wie es hier dargestellt wurde. Wir danken Berni für die gelungene Exkursion, die nie hanebüchen war, und auch nicht w!e das Hornberger Schießen endete!

Tino Stecher
Volker Ludwig


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